Wenn sich das Hamsterrad immer schneller dreht ...

Die Sache mit dem Hamsterrad hat jeder von uns schon mal erlebt – oder steckt womöglich sogar mittendrin. Eigentlich wollen wir da ja raus. Und eigentlich besser heute als morgen.


Besonders, wer Führungsverantwortung hat, steht unter einem ständigen Druck: mehr verdienen, mehr arbeiten, mehr produzieren und immer erfolgreicher werden. Dass das niemand auf längere Sicht aushält, steht außer Frage. Toll wäre eine selbstorganisierte Entschleunigung des Berufsalltags. Was nicht nur der individuellen Gesundheit zugutekommen würde, sondern auch aus rein wirtschaftlicher Hinsicht absolut sinnvoll erscheint: 79 Millionen Fehltage gibt es jährlich allein in Deutschland. Das bedeutet Kosten von 23 Milliarden Euro. Burn-outs, Depressionen oder frühe Verrentungen sind zunehmend gravierende Personalthemen, die immer mehr Unternehmen inzwischen aktiv zu bekämpfen suchen.

Das Konzept gegen das Hamsterrad
Eine äußerst wirksame Konzeptidee speziell für Führungskräfte ist: mehr Eigenverantwortung. Das bringt nämlich vor allem eins: eine Bewusstheit für eigene Möglichkeiten und Grenzen in der Entwicklung. Das klingt etwas abgehoben? Was bedeutet das jetzt in der Praxis?

Kontemplation
Entschleunigen muss man lernen. Es ist nicht damit getan zu sagen „Ich entschleunige ab heute mein Leben” und alles wird besser. Entschleunigen bedeutet, zur inneren Ruhe zu gelangen. Wer selbst mitten drinsteckt in seinem Hamsterrad, weiß nämlich nur allzu gut, dass das praktisch unmöglich ist. Es gibt jedoch – glücklicherweise – einen Weg, wie man Entschleunigen lernen kann: Kontemplation. Vielleicht ist dir der Begriff schon mal begegnet. Kontemplation ist ein Weg, mehr und mehr in die Meditation zu kommen. Meditation ist mittlerweile sogar längst in den Chefetagen großer Konzerne angekommen und wird dort zu genau diesem Zweck praktiziert. Denn das Ergebnis ist Ruhe, Fokussierung, Entscheidungsstärke und Entspannung – alles Dinge, die in einem Hamsterrad überhaupt nicht möglich sind.

Kontemplation bedeutet: Stille mit Stille erreichen. Loslassen mit Lassen und reduzierter Einfachheit begegnen. Beobachten und Sein lassen, statt bewerten und verurteilen.

Es ist eine Kunst, diese ungewöhnlichen Wege im Berufsalltag zu gehen und praxisnah für sich zu integrieren. Aber sie ist machbar. Durch den Fokus auf Selbstführung durch Achtsamkeit, Stille und Bewusstheit ohne Wertung und Erwartung.

Lernen, Ruhe zu bewahren
Du kannst lernen, in entscheidenden Situationen die Ruhe zu bewahren und einen achtsamen, distanzierten Blick auf die Sache zu halten. Sicher ist es eine Herausforderung, die du üben musst. Ruhe übt man nur mit Ruhe und ohne Aktivität des Verstandes, ohne dem Lernen und Wissen tanken wollen. Durch Kontemplation – einer uralten und bewährten Methode.

Kontemplation ist das Einüben in den Augenblick, in die Gegenwärtigkeit des Lebens. Es geht um eine Seinserfahrung, die das Rationale, Personale und Konfessionelle übersteigt. Das zentrale Element der Kontemplation ist das Sitzen in der Stille, wie es in der christlichen Mystik und auch in den östlichen Traditionen durch Jahrhunderte hindurch praktiziert wurde. Dazu kommen – wenn du das wünschst – auch das achtsame Gehen, Informations-Input sowie eine kurze Reflexionsrunde am Ende der gemeinsamen Erholungszeit. Das Ankommen und Gehen sowie das pure Sitzen findet im Schweigen statt. Elektronische Geräte aller Art sind tabu. Nicht erreichbar zu sein ermöglicht, für sich selbst erreichbar zu werden. Das mag eine ganz neue Erfahrung für dich sein. Doch die lohnt sich!