Was braucht einen Neubeginn?

Etwas Neues beginnt entweder, indem ich in dem Neuen bin und mir Gedanken mache, wie das Neue sein soll. Oder ich etwas Altes beende. Und wenn ich mich für den zweiten Weg entscheide, muss für mich klar sein: Was ist das Alte und wie darf es zu Ende gehen, damit ein Raum entsteht für Neues? Andererseits stellt sich die Frage: Wie ist ein Raum für Neues da, wenn das Alte nicht beendet werden kann?

Das Neue entsteht im Jetzt

Die Chance, dass etwas Neues entstehen kann, gebe ich im Hier und Jetzt – wenn ich das Alte beende und lasse. Achtung, jetzt wird’s ein wenig philosophisch: Und wenn ich das nicht tue, wie zäh wird dann das Neue, wenn der Raum dafür zunächst nur kreiert aber nicht natürlich entstanden ist durch das Lassen des Alten?

Wie leicht könnte dann das Neue werden in seiner Entstehung – vielleicht auch schon ein Stück weit von alleine – wenn ich das Alte lassen würde?

Die Vollendung ist erst am Ende

Um was aus einem Tag zu machen, beende diesen Tag. Diese alte Indianer-Weisheit bringt es meiner Meinung nach genau auf den Punkt: Jeder Tag ist ein Tag mehr, wo man etwas sterben lässt, damit man am Ende eines Tages sagen kann, es steht was Neues zur Verfügung. Was ich immer wieder bei Menschen beobachte, ist so ein Klassiker. Sie stehen morgens auf und fragen sich: „Was mache ich aus dem Tag?“ Typisch. Menschen planen etwas für einen Tag, ohne danach zu schauen, ob dazu überhaupt der Raum, die Möglichkeit da ist. Damit meine ich keinen Raum im Außen, sondern das eigene Erleben – da ist man ja wieder in seiner Verantwortlichkeit. Es muss also deutlich sein: Ich kann keinen Raum haben, wenn etwas Altes diesen schon längst wieder gefüllt hat!

Überdenken als Ansatz

Wenn ich selbst in meine Entscheidung kommen möchte, dann ist Überdenken der geeignete Ansatz dazu. Ich stelle mir also morgens die Frage: Was gibt’s heute zu tun, um mal was neu überdenken zu können? Neu überdenken bedeutet ja auch »lassen«, eine andere Sicht entwickeln oder provokativ einen Schritt zu gehen, den ich nie gegangen wäre. Um eben einfach wieder in Bewegung zu kommen in das, was sich offensichtlich so festgefahren hat.

Wie festgefahren bin ich eigentlich, wenn ich immer wieder weiter muss oder auch von mir verlangt wird, dass ich weitergehe. Entwicklung wird ja auch erwartet. »Wir entwickeln Sie weiter ...« ein typischer Satz, den man ständig irgendwo liest. Was dann nicht geht: Wenn ich merke, dass ich es deswegen nicht kann, weil ich in alten Dingen gefangen bin.

Kennen Sie so etwas an einer Stelle Ihres Lebens – am Arbeitsplatz, im Privatbereich, in der Familie etc.?