Das Dilemma mit der Erwartungshaltung

Erwartungen beschäftigen uns unbewusst den ganzen Tag, in nahezu jeder Situation. Es ist egal, ob wir gerade im Kino sitzen und ganz gespannt den Beginn des Films erwarten (wird er denn auch so toll sein, wie er überall angepriesen wird?), im Restaurant unser bestelltes Gericht herbeisehnen (das muss mindestens so gut schmecken wie zu Hause!) oder mit einer Bitte an unseren Kollegen herantreten (die er besser nicht ausschlägt!) – wir gehen mit einer Erwartungshaltung in die Situation. Und nehmen uns damit aus der Verantwortung.


Überall, wo in irgendeiner Form etwas geliefert werden soll, haben wir eine Erwartung. Diese wird kommuniziert oder nicht kommuniziert. Das Ergebnis ist immer das gleiche: Ich selbst kann nach der Formulierung nichts mehr tun. Damit begeben wir uns in eine Abhängigkeit. Doch: Gibt es eine Alternative?

Warum wir von Erwartungen oft enttäuscht werden
Im Grunde genommen ist eine Erwartung nichts anderes, als eine sich selbst formulierte und gegebene Täuschung. Ich formuliere etwas – oder habe etwas im Kopf – was die andere Seite zu leisten hat. Das Problem dabei ist: Die andere Seite weiß nichts davon. Ich kommuniziere es ja nicht. Für mich stellt sich jetzt die Frage: Warum sollte ich dann eine Erwartungshaltung haben? Erwartungen sind also eigene Täuschungen, die dann ein Ende finden, wenn die Einlösung kommt. Und diese kann eine Erfüllung sein. Ist eine Erwartung erfüllt, neige ich dazu, zufrieden zu sein. Ist ja klar. Werden meine Erwartungen nicht erfüllt, werte ich es ab und bin unzufrieden, ja sogar enttäuscht. 

Damit hat wenigstens die Täuschung ein Ende. Ich habe durch mein Gegenüber eine andere Lösung bekommen, aber nicht die, die ich gerne gehabt hätte. Wie bekomme ich das, was ich gerne hätte?

Raus aus der Erwartungshaltung
Muss ich jetzt meine Erwartung herunterschrauben? Sollte ich vielleicht am besten überhaupt nichts mehr erwarten? Mir am besten gar keine Gedanken über das machen, was kommt. Das würde bedeuten, mir keine Formulierungsgedanken über die Erwartung auszumalen und einfach überraschen lassen. Das kann nicht die Lösung sein. Eine Alternative: Raus aus der Erwartungshaltung und rein in die Anspruchsformulierung an mich selbst!

Stell’ dir die Frage: Was ist der Anspruch an mich, wenn ich den Film anschaue, das Essen bestelle oder ins Gespräch gehe?

Du bleibst ganz bei dir. Du fokussierst dich auf dich selbst und formulierst auch deinem Gegenüber diesen Anspruch. Die Ergänzung zu dieser Anspruchsformulierung ist die Forderung. Was forderst du von dir ein, was investierst du für dich, damit du deinem Anspruch gerecht wirst? Auf diese Weise hat auch dein Gegenüber die Chance, in seinen Anspruch zu gehen. Selbst beim Kinofilm weißt du, wie die Handlung ist und somit wirst du auf eine Weise immer etwas damit anfangen können, schließlich hast du den Film gewählt.

Du selbst bestimmst!
Erwartungen sind Fallen, interpretierte Täuschungen. Die Verantwortung dafür liegt allein bei uns. Wir selbst bestimmen, ob wir uns den Film anschauen, in diesem Restaurant essen gehen oder genau diesen Kollegen um etwas bitten. Wir selbst bestimmen, ob wir enttäuscht werden.

3 Tipps, wie du raus kommst aus der Erwartungshaltung

  1. Bleibe bei dir und formuliere deinen Anspruch – werde ruhig anspruchsvoll!
  2. Kommuniziere deine Ansprüche nach außen – lass es auch die anderen wissen!
  3. Gib deinem Gegenüber die Möglichkeit, das gleiche zu tun! 

 

Probier’ es mal aus: Wenn du deine Ansprüche formulierst und sagst, was du dafür tun wirst, dann wirst du das auch schaffen.